A Travellerspoint blog

Letzte Indien-Etappe: Darjeeling – Delhi – Sydney

Bergauf und Bergab durch den Himalaya

sunny

Der Zug aus Kolkata fuhr nicht direkt nach Darjeeling; da Darjeeling bereits zu weit im Himalaya liegt, ist die Zugverbindung nur nach Siliguri am Fuß des Gebirges. Allerdings war hierbei bereits der Temperaturabfall spürbar; ausnahmsweise waren einmal keine Sandalen und T-Shirts angesagt, sondern lange Ärmel und Halbschuhe. In Siliguri warteten bereits Unmengen an Jeeps auf Reisende nach Darjeeling; es wurde ziemlich gequetscht, das Gepäck kam auf die Dächer. Außer den Jeeps gibt es noch den „Toy Train“, eine uralte Schmalspurbahn, die nach Darjeeling fährt. Allerdings ist der Toy Train nicht besonders schnell (ich glaube, die Gesamtzeit Siliguri-Darjeeling mit dem Toy Train dauert 8 Stunden) und fährt dementsprechend auch nicht oft.
Die Jeepfahrt dauerte ein oder zwei Stunden, die größtenteils ruhig verliefen, abgesehen von den ständigen Schlenkern in Serpentinen; Karo war schon vorher ein bisschen angeschlagen und sah anschließend noch grüner aus. Aber die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und schließlich kamen wir in Darjeeling an.
Darjeeling liegt auf 3000 Metern Höhe im Himalaya und ist daher ziemlich kühl; früher, zu Kolonialzeiten, war es deshalb de facto die Hauptstadt Indiens im Sommer (da den Briten Kolkata dann zu heiß wurde). Außerdem sollte man wissen, dass der größte Teil Darjeelings mitten am Berghang liegt. Das hieß für uns vor allem jede Menge Kraxelei… Außerdem sind Karten deutlich schwerer zu lesen, wenn man sich die dritte Dimension dazudenken muss ;)
Spaß beiseite: Häufig war für die Entfernung zu Fuß die Höhendifferenz wirklich wichtiger als die Entfernung in der Ebene. Außer ein paar Treppen sind die einzigen Wege hoch oder herunter Straßen mit Unmengen an Serpentinen, also läuft man immer schön Schlenker. Dadurch hatten wir am Anfang ziemliche Probleme, uns zu orientieren, aber am Ende konnten wir uns ganz gut zurechtfinden.
Mit den schweren Rucksäcken war das Bergauflaufen natürlich noch mal so lustig, aber zum Glück fanden wir ein nettes, nicht zu teures Guest House in einem der billigeren Viertel Darjeelings, das aber immer noch ziemlich zentral lag. Allerdings war hier, wie auch sonst in Indien, wieder eine Fassade spürbar, mit der Seite für Reiche und Touristen einerseits und den ärmeren Vierteln kaum verborgen dahinter.
Darjeeling war trotzdem aber insgesamt eine sehr schöne Erfahrung, allerdings sehr militaristisch: In der Zeit, wo wir dort war, war praktisch jeden Tag eine Parade auf dem größten Platz der Stadt, zu Ehren eines Generals, als Vorbereitung für den baldigen Republic Day oder aus anderen Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.
Besonders lustig waren unsere Verirrungen in der Nähe von Darjeeling. Wir hatten ursprünglich geplant, eine kurze Strecke ins Nachbardorf mit dem Toy Train zu fahren, aber leider war während unserer Zeit kein Platz mehr frei. Also wollten wir stattdessen wandern; dabei stießen wir aber (wieder) auf das Problem mit den Karten und endeten beim ersten Versuch stattdessen bei einer Militärschule, bei deren Eingang Soldaten Wache standen und wo Ausländer keinen Zutritt hatten. Also gingen wir wieder ein paar Kilometer zurück, fanden diesmal den richtigen Weg, aber mussten mangels Zeit schließlich auf halben Weg umdrehen.
Der nächste Versuch war einige Tage später im Anschluss an die Tiger-Hill-Exkursion: Einfach gesagt, standen wir um vier Uhr auf (unser zweiter Anlauf, beim ersten Mal hatten wir unsere Wecker nicht gehört) und nahmen einen Shared Jeep zum Tiger Hill. Dort hat man ein fantastisches Panorama mit dem Sonnenaufgang; wir sind uns nicht völlig sicher, aber wir glauben, sogar den Kangchenjunga gesehen zu haben, den dritthöchsten Berg der Welt. Anschließend sind wir zurück nach Darjeeling gewandert (diesmal sogar ohne Irrwege).
Einer der besten Punkte in Darjeeling war außerdem ein kleines Café, das eine nette Aussicht (nur bei warmem Wetter wirklich gut genießbar), eine schöne Einrichtung mit alternativen Sprüchen an der Wand und sehr leckere Momos (tibetanische gefüllte Teigtaschen) hatte. So lecker, dass wir dort spontan einen Tag später einen Kurs zum Momo-Backen gemacht haben. Insgesamt einer der Punkte der Reise, den ich jederzeit wiederholen würde.
Schließlich war noch ein Punkt in Darjeeling sehr nennenswert und zwar das tibetanische Flüchtlingslager. Es war eines der ersten Flüchtlingslager nach der Invasion Tibets durch China und ist bis heute noch eine Unterkunft für viele Exiltibetaner. Vor allem die Fotosammlung dort, die die Geschichte des Lagers aufzeigt, fand ich sehr prägend und etwas, über das ich noch für einige Zeit nachgedacht habe – es ist schwer, sich die Umwälzungen, die nach der Invasion begannen, vorzustellen, bis man Bilder davon sieht.
Schließlich war es Zeit für uns, Darjeeling zu verlassen. Also fuhren wir wieder zurück nach Siliguri mit einem Shared Jeep und stiegen dort in einen Fernzug nach Delhi. Es war unser erster Zug mit serviertem Essen, und wir wurden ziemlich durchgefüttert. Allerdings war es auch nötig, denn die Zugfahrt dauerte etwa 24 Stunden. Ach ja, der Zug war (natürlich) wieder verspätet mit einigen Stunden.
In Delhi hatten wir noch einen knappen Tag Zeit, den wir nutzten, um diesmal die Touristenviertel besuchen. Es war zwar ganz lustig, aber gefühlt nicht wirklich berührend, anders als unser erster Besuch in Delhi – irgendwie oberflächlicher und nicht so persönlich. Wir übernachteten in einem vernünftigen Hotel in der Nähe des Bahnhofs (allerdings mussten wir zuerst den Preis auf ein Drittel herunterhandeln). Tja, und dann war auch schon Abschied angesagt, und ich musste in den Flieger nach Sydney steigen. Zum Glück gab es diesmal keine Visumsprobleme. Im Rückblick muss ich ein bisschen darüber grinsen, wie mich die Flugdauer (fast so lange wie von Deutschland nach Indien) überrascht hat – aus deutscher Sicht ist Indien quasi „weit weg“ und Australien ist „ganz weit weg“, aber praktisch sieht es natürlich anders aus.
In Sydney war der erste Stop die Jugendherberge, wo ich zwar (Ankunftszeit früh morgens) noch nicht einchecken, aber immerhin mein Gepäck loswerden konnte. Anschließend erkundigte ich mich nach dem Zug zur Pottery bei der Reiseauskunft der Jugendherberge. Das Ergebnis war, dass der Zug morgen nicht fahren würde, aber immerhin übermorgen. Also würde ich zwei Nächte in Sydney verbringen, na gut. Währenddessen waren ohnehin einige Sachen zu besorgen, die vergessen oder in der indischen Bahn verloren gegangen waren, unter anderem eine SD-Karte und ein Aufladekabel für meine Kamera.
Allerdings wurden am nächsten Tag die Dinge wieder seltsam; als ich an der Rezeption der Jugendherberge (der Reiseschalter war an dem Tag geschlossen) mich zur Sicherheit erneut nach der Zugverbindung erkundigte, war das Ergebnis, dass die Verbindung morgen nicht fuhr, sondern erst wieder übermorgen (kommt bekannt vor, oder?). Außerdem wurde mir erklärt, dass neben dieser Verbindung, die morgens abfuhr, es noch eine andere gab, die erst nachmittags losfuhr und dann nach Mitternacht ankam. Diese andere Verbindung fuhr noch an demselben Tag oder übermorgen.
Mein Plan war also, dass ich den Zug am gleichen Tag nehmen würde und die Nacht einfach an der Bushaltestelle (die Verbindung bestand aus Zug und Reisebus) verbringen würde. Leider wurde mir beim Bahnhof gegenüber, wohin ich anschließend zur Buchung ging, gesagt, dass besagte Verbindung heute – entgegen der Aussage in der Jugendherberge – nicht fuhr. Die einzige Aussage der Jugendherberge dazu war, dass sie die Verbindung plötzlich auch nicht mehr finden könnten, sie aber gerade noch dagewesen sei.
Wie auch immer, das Ergebnis war schließlich, dass ich noch eine Nacht länger bleiben und am Montagmorgen fahren würde. In der Zwischenzeit gab es noch etwas Zeit, Sydney zu erkunden, Sachen zu kaufen, die ich vergessen oder bereits verloren hatte, und schon einmal ein paar Bücher zu kaufen und zu lesen.
Zum Glück lief am Montagmorgen dann auch alles nach Plan: Früh aufstehen, frühstücken, auschecken und zum Bahnhof gehen, wo der Zug nach Coonabarabran abfuhr – und dort beginnt der nächste und soweit letzte Abschnitt meiner Reise.

Posted by romanerzähler 21:25 Archived in India Comments (0)

Zweite Indien-Etappe: Karos Arbeitsplatz – Kolkata

sunny

Hallo alle zusammen,
Erst einmal möchte ich mich für die längere Verzögerung entschuldigen, die entstanden ist; ich bin leider erst nicht mehr zum Schreiben gekommen und habe mich anschließend in Details verstrickt, nur um schließlich die Hälfte vergessen zu haben. Aber dank einiger Inspiration und Gedächtnisnachhilfe von Karo ist jetzt alles halbwegs am richtigen Platz.

Am Ende des letzten Eintrags hatte ich erzählt, wie wir bei Karos Arbeitsplatz angekommen waren. Hierbei muss man eigentlich zwei Orte unterscheiden: Einerseits die Nursery School, wo Karo als Freiwillige arbeitete, und andererseits das (von dort etwa 3km entfernte) Krankenhaus mit angeschlossenem Gästehaus, wo sie lebte. Wir fuhren erst einmal zum Krankenhaus.
Dort gab es erst einmal einige Nachfragen. Karo hatte zwar eine E-Mail geschickt, in der sie schrieb, nach dem Seminar erst noch nach Delhi zu fahren, aber besagte E-Mail war leider zurückgekommen. Ein Anruf ging leider – mangels Guthaben auf der SIM-Karte – auch nicht. Noch dazu war, was ich im letzten Eintrag vergessen hatte, im Zug nach Balasore ein kleines Unglück passiert – ich hatte mich auf Karos Handy gesetzt, das leider einen Totalschaden hatte. Der Touchscreen funktionierte nicht mehr vollständig. Also setzten wir erst einmal Karos SIM-Karte in mein Handy ein, was eine ganz gut funktionierende Lösung darstellte.
Wie auch immer, aufgrund dieser Kommunikationsschwierigkeiten waren Karos „Betreuer“ jetzt einige Tage nicht über Karos Status im klaren gewesen und nicht gerade erbaut darüber. Da gerade aber niemand Verantwortliches da war, wurde die Registrierung von meinem Aufenthalt im Guest House auf den nächsten Tag verschoben und wir gingen unsere Sachen auspacken.
Essen wurde für alle Leute im Hospital zusammen gekocht und meist einzeln oder zu zweit gegessen. Hierbei schien es aber (auch Karos längerer Erfahrung nach) meist wenig Abwechslung zu geben, das heißt, meist Reis, zwei (scharfe, wenn auch in ihre Schärfe variierende) Beilagen und dazu eine Art kleinen, blätterteigartigen Pfannkuchen oder ähnliches Gebäck. Auch wenn die Mahlzeiten sich unterschieden, war ich persönlich leider nicht in der Lage, große Unterschiede festzustellen. Eine definitive Gemeinsamkeit war allerdings eine Schärfe, die mir Tränen in die Augen schießen ließ.
Am nächsten Tag lernte ich dann den Leiter des Hospitals kennen und wurde in Folge registriert. Dies erforderte eine erstaunliche Menge an Daten über mich, meinen Pass, Ankunft, Abreise, Weiterreiseziel, … aber schließlich war alles erledigt. Anschließend gingen wir unseren weiteren Urlaub planen. Mittlerweile war klar, dass wir kaum alles schaffen würden; einerseits war der Zeitplan offensichtlich zu eng und würde durch weitere Zugverspätungen ohnehin durcheinandergerüttelt, andererseits würde ich dann mangels Zeit (wir erinnern uns: der Ankunftszug hatte 5 Stunden Verspätung) kaum etwas von Karos Zuhause sehen. Also wurde noch einmal umgeplant, bis schließlich der weitere Plan vorsah, dass wir direkt nach Kolkata fahren würden. Von dort würden wir dann in die Gegend um Darjeeling fahren. Wir hofften, in Kolkata eventuell noch eine Wochenendsexkursion in einen der dortigen Naturparks buchen zu können (nach Reiseführer zumindest für einen Naturpark möglich, aber die Internetbuchungsseite bot die Exkursion nicht an). Schließlich würden wir von dort nach Delhi fahren und hätten noch einen knappen Tag.
Anschließend schauten wir uns „Karos“ Nursery School an (sehr süß, irgendwie, aber auch sehr chaotisch) und das nahegelegene Dorf Raspovindpur, wo es aber nur wenig zu sehen gab (zumindest in dem Teil, wo wir waren; nach Karo existierte noch ein zweiter, größerer Teil auf der anderen Seite des Flusses).
Schließlich fuhren wir weiter nach Kolkata, mit einem relativ kleinen Zug, der in einem nahegelegenen Dorf namens Rupsa vorbeifuhr. Der Zug war praktisch pünktlich (15 Minuten Verspätung) und wir kamen gut in Kolkata an.
Worüber man sich in Kolkata im klaren sein sollte, ist, dass Kolkata noch einmal deutlich intensiver als das bereits beschriebene Delhi ist. Gerade am Anfang, mit Gepäck vollgeladen, hatten wir alle Hände voll damit zu tun, ein vernünftiges Guest House zu finden, während uns praktisch permanent „Touts“, also Touristenschlepper, Zimmer anbieten wollten. Aber schließlich fanden wir ein nettes Guest House in einer kleinen Seitenstraße, dessen einziger Nachteil es war, im dritten Stock zu liegen (nicht so angenehm, wenn man mit schweren Rucksäcken, einer Mini-Gitarre und einer Tasche schon etwas unterwegs ist). Dort ließen wir unser Gepäck und gingen Kolkata erkunden. Mehr noch als in Delhi hatten die kleineren Straßen um unser Guest House herum quasi Straßenmarktcharakter, mit nur gelegentlichen Autos und jeder Menge Fußgängern und (beweglichen oder festen) Läden. Ein kleineres Problem tat sich noch bei der Essenssuche auf: Das Restaurant, das wir uns eigentlich ausgesucht hatten, war leider seit der Zeit unseres Reiseführers sehr edel (sprich: viel zu teuer für uns) geworden, und bei der Suche nach einer Alternative hatten wir noch einmal einen Abendspaziergang von etwa 10 km. Aber es hatte auch etwas gutes – am Ende kamen wir in ein nettes, wenn auch etwas atmosphäreloses indisches Restaurant mit sehr gutem Essen.
Den nächsten Tag hatten wir eigentlich für Zugtickets, Erkundungen nach Naturparkexkursionen und eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten gedacht, aber – was auch sonst? - leider wurde nur zum Teil etwas daraus. Wir gingen erst zum Tourist Office, aber leider gab es keine Exkursion nahe Darjeeling, was wir aber schon befürchtet hatten angesichts der Webseite. Das Alternativprogramm war eine längere Zeit in Darjeeling, wogegen wir aber auch nichts wirklich hatten.
Um die Zugtickets zu buchen, gingen wir zum Reservierungsbüro der Bahn, wo uns aber leider gleich von einigen netten bewaffneten Soldaten, die an der Tür Wache standen (die Militärpräsenz ist noch so eine Sache, an die man sich erst gewöhnen muss) gesagt wurde, dass man nur mit Passport hineindürfe. Ergebnis: Wieder 7 km zurück zum Guest House und 7 km zum Reservierungsbüro. Lang lebe Schusters Rappen! Anschließend blieb uns nur noch, zu warten, bis unsere Nummer aufgerufen wurde; aber das war wieder so eine Sache… nach 2-3 Stunden beschlossen wir, die verbleibende Zeit doch lieber noch für einen kleinen Erkundungsspaziergang um den Block zu nutzen. Außerdem aßen wir an einem kleinen Straßenstand, wo bereits Personen aller Altersklassen saßen, zu Mittag – sehr lecker und definitiv eine Erfahrung. Als wir nach einem kleinen Nachtisch, sehr gesättigt und zufrieden, zurück zum Bahnbüro gingen, wären wir eigentlich vor ein paar Minuten drangewesen (ups), aber zum Glück wurden wir trotzdem noch drangenommen.
Nachdem wir endlich die Tickets in der Hand hatten (Kalkota – Darjeeling und Darjeeling – Delhi), hatten wir leider nicht mehr viel Zeit. Daher gingen wir eine nahegelegene Sehenswürdigkeit besuchen, die leider aktuell geschlossen war; Anschließend fuhren wir wieder zurück Richtung Guest House. (Kleiner fun fact: das Metronetz von Kolkata kann als eine eine einzelne senkrechte Linie beschrieben werden. )
In der verbliebenen Zeit in Kalkota konnten wir dann doch noch einige Sehenswürdigkeiten ansehen. Insbesondere das Victoria Memorial am nächsten Morgen war extrem beeindruckend – sehr schöne und weitläufige Außenanlagen und eine wirklich sehenswerte Ausstellung im inneren, ganz zu schweigen von dem Gebäude selbst, das dem alten British Empire wirklich ein Symbol setzt. Auch St. Pauls Cathedral war sehenswert, aber nicht unbedingt so, wie man eine Kirche erwarten würde; stattdessen erinnerte das Gebäude eher an eine Trutzburg mit engen Fenstern und dicken Mauern. Dass im Inneren die Namen englischer Soldaten, die in Indien gefallen waren, auf vielen Steintafeln eingraviert waren, hat diesen Eindruck eher verstärkt. Es wirkte ein bisschen so, als sei die Kathedrale mitten in einem feindlichen Gebiet erbaut worden.
Ganz anders war im Vergleich dazu der Kali-Tempel: Viel lauter, voller und lebhafter. Wir hatten eine kurze Führung durch die Ausländern zugänglichen Bereiche, die sehr nett war, inklusive eines kleinen Armbands für jeden, das Kalis Segen symbolisieren sollte. Auch die Umgebung unterschied sich extrem: während die Kathedrale im größten Park Kolkatas liegt, sahen wir auf dem Weg zu Kalis Tempel viele Familien, die obdachlos auf den Bürgersteigen lebten, von denen sich die fast danebenliegenden Tourishops extrem kontrastierten.
Schließlich war es (gefühlt, wieder mal, viel zu früh) Zeit, nach Darjeeling aufzubrechen. Nach einer kleinen unfreiwilligen Wanderung, wo wir wieder einmal die Entfernung in Kolkata unterschätzten, mussten wir leider mangels Zeit ein Abendessen in unserem Wunschrestaurant verzichten; aber zum Glück wurde uns von einer netten indischen Dame geholfen, ein Taxi zu rufen, denn wir waren angesichts der Aussicht, die Rucksäcke über weitere 5-6 km zu tragen, leicht am Verzweifeln. Der Zug nach Darjeeling war (was sonst) unpünktlich, aber immerhin nur knapp eine Stunde; und am Zielort geht es dann im nächsten Teil weiter.

Posted by romanerzähler 21:21 Archived in India Comments (0)

Erste Indien-Etappe: Delhi - Varanasi - Karos Arbeitsplatz

Genießen sie ihr Leben in vollen Zügen!

Nachdem wir im Bahnhof, wie im letzten Blogeintrag beschrieben, unsere Reise umstrukturiert hatten, lagerten wir erst einmal dort unser Gepäck und gingen Delhi erkunden. Unser Zug fuhr erst spät abends, also hatten wir noch den Nachmittag und Abend frei. Allgemein habe ich in Indien erlebt, dass das Ablagern von Gepäck eine erstaunliche Wirkung hatte: Gerade in Großstädten wurde uns, solange wir mit Gepäck unterwegs waren, alle drei Meter ein Zimmer angeboten, anschließend aber überhaupt nicht mehr.
Während wir vom Flughafen zum Bahnhof noch die Metro genutzt hatten, war ich jetzt das erste Mal wirklich in Delhi unterwegs, und ernsthaft: Es war überwältigend. Allein schon die erste Fahrt mit einer Fahrradrikscha durch Delhi war ein Erlebnis für sich. Leider habe ich hiervon keine Bilder, die das ganze vermutlich besser darstellen würden als ich es hier kann, und eine detaillierte Beschreibung würde bei weitem zu viel Platz in Anspruch nehmen. Daher beschränke ich mich hier darauf, dass es dort, wo wir entlanggefahren oder -gelaufen sind, es eine auf den ersten Blick unüberblickbare Vielzahl an Straßenfahrzeugen aller Art gab, die auf Straßen fuhren, die meistens entweder weit ausgebaut oder enge Gassen waren und von Geschäften und abbaubaren Läden aller Art gesäumt wurden. Wer es noch nicht selbst erlebt hat, dem kann ich nur empfehlen, die Erfahrung, durch Delhi zu schlendern, ebenfalls zu machen; auf den ersten Blick mag die Stadt extrem unübersichtlich und chaotisch wirken, aber wenn man kurze Zeit hindurchläuft, erkennt man schnell, wie die meisten Straßen in sich aufgebaut sind (was nicht zwangsläufig auf das Straßennetz zutrifft, hierbei mussten wir uns häufig auf unser GPS verlassen).
Für mich persönlich war es, wie bereits gesagt, extrem bereichernd; allerdings denke ich nicht, dass ich diese Erfahrung alleine hätte machen wollen. Wie gesagt, es kann überwältigend sein – und nicht nur im Angebot der Läden und der Unübersichtlichkeit der Straßen, sondern auch in der Armut, die Delhi wie, meiner Erfahrung nach, jede größere indische Stadt durchzieht.
Nach dieser Erfahrung gingen wir am Abend wieder zurück zum Bahnhof. Leider hatte unser Zug Verspätung – und zwar zwei Stunden. An sich nicht das Problem, auch wenn zwei Stunden Warten natürlich immer lästig sind, selbst mit einem Buch. Wir hatten für die Zugfahrten nach Varanasi und von dort nach Balasore 3 tier Sleeper (Liegenabteil, nicht akklimatisiert, drei Liegen übereinander) gebucht. Hierbei sollte der Begriff „akklimatisiert“ nicht falsch verstanden werden – es handelt sich um Waggons, die kühlen können, aber nicht heizen. Allerdings war mir nach Deutschland selbst in Sandalen in den Waggons in Nordindien nicht wirklich kalt. Die Liegen wurden bei uns in den Zügen gegen 11-12 Uhr ausgeklappt und anschließend konnten wir relativ entspannt schlafen. Die meisten Passagiere hatten eigene Decken mit, wir leider nur unzureichend (Hüttenschlafsack beziehungsweise dicke Jacke plus Handtuch), da wir eigentlich eine Fahrt im (mit Decken ausgestatteten) Rajdhani geplant hatten.
Am nächsten Morgen sollten wir nach Plan zwischen 9 und 10 Uhr in Varanasi ankommen. Da gab es nur ein Problem – der Zug hatte mittlerweile nicht mehr 2 Stunden Verspätung. Er hatte 6. Gefühlt war das auch kein Einzelfall: Indische Züge scheinen entweder stark verspätet oder ziemlich pünktlich zu sein. Nach einer Theorie, die ich gehört habe, liegt das daran, dass pünktlichen Zügen Vorrang vor verspäteten eingeräumt wird; aber woran auch immer es lag, wir kamen infolgedessen erst um 15 Uhr nachmittags in Varanasi an. Und unser nächster Zug sollte bereits um 8 Uhr abends weiterfahren, was uns also nicht mehr viel Zeit ließ, insbesondere, da wir bei einem Bahnhof außerhalb der Stadt ankamen. Als wir schließlich in Varanasi waren , war es schließlich schon 16 Uhr. Also gaben wir erst einmal wieder unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrung im Bahnhof, von dem wir losfahren sollten, ab. Hierbei hatten wir noch ein recht amüsantes Erlebnis: Zuerst wurde unser Gepäck nicht angenommen, da es nicht abgeschlossen sei (Hinweis: Das Gepäck bestand vorwiegend aus zwei Reiserücksäcken und einer Tasche; keines dieser Gepäckstücke kann abgeschlossen werden). Schließlich konnten wir uns darauf einigen, dass die Gepäckaufbewahrung keine Garantie für den Inhalt der Taschen übernahm, diese aber eingelagert werden durften.
Der nächste Punkt, den wir noch auf jeden Fall in Varanasi erledigen wollten, war die Aufladung von Karos indischer SIM-Karte. Allerdings benötigte der entsprechende Laden über eine Viertelstunde, um schließlich zu erklären dies sei nicht möglich. Der Grund: Die Karte sei in einem anderen Bundesstaat gekauft worden (was zu dem interessanten Schluss führt, dass die Karte in ganz Indien mit dem gleichen Tarif verwendet werden kann, allerdings nur im Ursprungsbundesstaat aufgeladen werden kann!) Mittlerweile war es bereits sechs Uhr und aufgrund der Tatsache, dass wir bisher aufgrund der ausgedehnten Zugfahrt kein Essen gehabt hatten, suchten wir ein Restaurant, die Brown Bread Bakery, welches in unserem Reiseführer verzeichnet war. Dort hatten wir auch ein nettes Essen; allerdings stellten wir nach Verlassen desselbigen fest, das die Eigentümer sich seit der Erstellung unseres Reiseführers zerstritten hatten. Wir waren – was auch sonst? - in das „Fake“-Restaurant spaziert. Toll. Ich meine, okay, das Essen war gut, wenn auch nicht überragend – aber trotzdem fuchst es mich, einfach so darauf hereingefallen zu sein.
Anschließend war es – leider – schon viertel nach Sieben und damit höchste Zeit, zum Bahnhof zurückzukehren. Ergebnis unseres Tourismus in Varanasi: null. Kein Ganges, keine Tempel, keine Moscheen, nichts, nothing, nahi. Was so 6 Stunden Zugverspätung bei engem Zeitplan ausmachen können…
Der größte Scherz erwartete uns allerdings ohne Zweifel am Bahnhof. Unser Zug hatte – was wohl – Verspätung. Ursprünglich war eine Stunde Verspätung angesagt, die sich jedoch, während wir warteten, sukkessive auf dreieinhalb Stunden erhöhte. Toll… Also stiegen wir schließlich, um halb zwölf, in den Zug und hatten ein problemlose Nachtfahrt nach Balasore, wo wir (diesmal mit 5 Stunden Verspätung) um vier Uhr nachmittags ankamen. Da der nächste Anschlusszug in Richtung Karos Heimat erst in einer Stunde ging, kaperten wir kurzerhand ein Taxi (sicher nicht das billigste, aber wir waren es nach annähernd anderthalb Tagen in Zügen und Bahnhöfen ziemlich leid) und kamen um 5 Uhr beim Mahatma Gandhi Eye Hospital, wo Karo wohnte, an.

Posted by romanerzähler 06:56 Archived in India Comments (0)

Aufbruch: Heimat - Frankfurt - Delhi

Und schon wird's chaotisch...

Das hier ist mein erster Blogeintrag, und ich bin, ehrlich gesagt, unsicher, wo ich anfangen soll, so viel ist schon passiert... Aber mal von Anfang an. Alles begann damit, dass ich nach Abschluss meines Bachelors gerne zurück nach Australien gehen wollte, wie schon nach meinem Abi, aber diesmal für ein halbes oder sogar ganzes Jahr. Vorher wollte ich aber gern, quasi auf dem Weg, meine Schwester Karo besuchen, die in Indien (genauer: in Orisha) ein Jahr als Freiwillige bei einer Schule arbeitet. Zum Glück gab es auch ein passendes Flugangebot - von Frankfurt nach Delhi, von dort zwei Wochen später nach Sydney und von dort nach Ablauf der Zeit wieder über Delhi zurück nach Frankfurt - und gerade noch rechtzeitig wurde ich auch mit meinem Bachelor fertig. Die letzte Note wurde am Tag meiner Abreise eingetragen und daher konnte ich noch zum Prüfungsamt gehen und die Ausstellung der Urkunden beantragen.
Beim Flughafen in Frankfurt lief es leider nicht ganz so glatt. Ich hatte, wegen eines missverstandenen Satzes auf der Visums-Webseite, keinen Ausdruck meines Visums dabei. Nach jede Menge hin- und hergerenne zwischen Fluggesellschaftsschalter, Hilfsschalter und sogar der Bundespolizei (die aber, wie sich herausstellte, nicht zuständig war) rief schließlich die Fluggesellschaft bei der indischen Botschaft an, die wiederum die Auskunft gab, es sei kein Visum ausgestellt.
Was genau schiefgegangen ist bei der Visumsbeantragung und -ausstellung, weiß ich immer noch nicht, aber ich vermute, ich habe vergessen, irgendetwas einzureichen oder auszufüllen (wäre irgendwie typisch für mich). Unabhängig davon bedeutete es aber natürlich, dass ich nicht den geplanten Flug nehmen konnte. Zum Glück bot die Fluggesellschaft an, meinen Flug nach Delhi um einen Tag zu verschieben, und ich könne mich in dieser Zeit bei der indischen Botschaft in Frankfurt um ein neues Visum bemühen.
Nach einer Nacht in der Frankfurter Jugendherberge ging ich also am nächsten Tag zum IGCS in Frankfurt, das heißt, zu der Firma, die dort für das indische Konsulat für die Visaanträge verantwortlich ist. Dort sollte ich neben dem Visumsantrag noch einen Brief an den General Consulate of India schreiben, woraufhin ich das Visum um 17 Uhr abholen könnte. Zu meinem Glück lief es auch wie geplant ab, denn nicht bei allen Personen schien das so zu sein. Ein kanadisches Paar, das einen Stopp in Frankfurt gehabt hatte, wartete bereits vier Tage!
Der Flug nach Delhi am Abend lief trotz einigen Chaos (im neuen Flug war nach erster Auskunft kein Platz mehr in der Economy Class frei, schließlich habe ich trotz geplanter Höherstufung einen Economy-Boardpass bekommen) im Großen und Ganzen problemlos ab.
In Delhi herrschte aber (wieder? Immer noch? Was auch immer…) das Chaos in der Planung. Karo und ich hatten eigentlich geplant, dass ich von Delhi aus mit dem Rajdhani-Express nach Kharagpur fahren würde und wir uns dort am Bahnhof treffen würden (da sie gerade von einem Seminar aus Nagpur wiederkam). Von dort wollten wir zu ihrer Schule weiterfahren. Aber diese Planung war durch meine eintägige Verspätung ohnehin schon über den Haufen geworfen worden; jetzt fuhr Karo nach Delhi, um mich dort am Flughafen abzuholen und nach einem Tag Aufenthalt wollten wir am Abend weiter zu ihrem Zuhause fahren.
Unsere neue Problemlage fing damit an, dass Karos Zug nach Delhi Verspätung hatte (ein bis zwei Stunden) und daher die Tickets noch nicht buchen konnte. Um die Tragweite hiervon zu verstehen, muss man das indische Zugsystem kennen:
In indischen Zügen gibt es verschiedene Klassen. Die billigste, General, hat Sitzplätze; alle anderen Klassen haben Liegen, die während der Nacht ausgeklappt werden können. Diese Liegenabteile werden weiter unterschieden in akklimatisiert (AC) oder nicht und nach der Anzahl der Liegen übereinander (1, 2 oder 3), wobei 1-Liegen-Abteile immer akklimatisiert sind und auch sonst komfortabler; quasi die 1. Klasse in indischen Zügen. Tickets für diese Klassen werden nach bestimmten Quoten vergeben: Eine Quote für Militär, eine für Frauen, aber - für uns besonders wichtig - auch eine für Touristen.
Allerdings werden diese Quoten fünf Stunden vor Abfahrt des Zuges freigegeben und die Plätze (sofern noch frei) werden auf eine Warteliste verteilt. Da wir mit Karos Verspätung erst nach den 5 Stunden am Bahnhof ankamen (wobei wir, um ehrlich zu sein, auch erst dort die 5-Stunden-Regel erfuhren), bekamen wir wir leider keinen Platz mehr in unserem Zug; alle Klassen waren voll ausgebucht. Wir hätten bei einer so kurzfristigen Buchung trotz der Tourist Quota nicht sicher sein können, einen Platz zu ergattern; aber wir hatten uns irgendwie trotzdem darauf verlassen. Daher planten wir in aller Eile die restliche Reise um mit dem Ergebnis, dass wir erst über Nacht nach Varanasi fahren würden, und von dort eine Nacht später weiter zu Karos Schule; dort würden wir also zwei Nächte später ankommen als geplant. Im Anschluss würden wir eine eigentlich geplante Etappe (Bhubaneswar und Puri) überspringen und direkt zum Chilika Lake weiterfahren.
Aber ob das geklappt hat, steht auf einem anderen Blatt, nämlich im nächsten Eintrag.

Posted by romanerzähler 08:18 Comments (1)

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